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Funtionelle und onkologische Ergebnisse nerven- und kapselschonender Zystektomie bei Blasenkrebs

 

BLADDER CANCER Paris – mechentel news – In dieser retrospektiven Single-Center-Studie bewerteten die internationalen Autoren aus Frankreich, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz und Italien um Mohamed Saad aus der Urologischen Abteilung des Institut Mutualiste Montsouris der Université Paris Descartes die technische Machbarkeit sowie die onkologischen und funktionellen Ergebnisse einer nervenschonenden Zystoprostatektomie und einer prostatakapselschonenden Zystektomie zur Behandlung von Blasenkrebs. Insgesamt wurden 60 Patienten mit einer nervenschonenden Zystoprostatektomie behandelt, während 47 Patienten eine prostatakapselschonende Zystektomie erhielten. Einschlusskriterien waren: vollständig aufgeklärter und gut motivierter Patient, negative transurethrale Resektion des Blasenhalses, normaler PSA-Wert von < 4 ng/dL im ersten Studienjahr, der später auf 2,5 ng/dL abfiel und normale transrektale Sonographie mit Biopsie jedes verdächtigen Knotens. Die 5-Jahres-CSS betrug 90% für die prostatakapselschonende Gruppe beziehungsweise 78% für die nervenschonende Zystektomie-Gruppe (p = 0,055). Insgesamt 13% und 21% der Patienten, die mit prostatakapsel- beziehungsweise nervenschonender Zystoprostatektomie behandelt wurden, wiesen innerhalb von 30 Tagen nach der Operation Clavien III oder höher klassifizierte Komplikationen auf (p = 0,2). 3 Monate nach der Operation berichteten 54 (90%) und 24 (51%) Patienten über eine vollständige Wiederherstellung der Tagesharnkontinenz in der prostatakapselschonenden bzw. nervenschonenden Zystektomiegruppe (p < 0,001) und hinsichtlich der Wiederherstellung der erektilen Funktion waren 32 (53%) und 4 (9%) Patienten in der prostatakapselschonenden Gruppe beziehungsweise in der nervenschonenden Zystektomie-Gruppe ohne Behandlung wieder potent (p < 0,001). Diese Daten legen für die Autoren in der elektronischen Vorabpublikation im Juni 2019 beim BJUI nahe, dass die beiden Verfahren bei geeigneten Kandidaten durchführbar sind und mit hervorragenden Überlebens- und Funktionsergebnissen einhergehen. (mm/bs)

Autoren: Saad M, Moschini M, Stabile A, Macek P, Lanz C, Prapotnich D, Rozet F, Cathala N, Mombet A, Sanchez-Salas R, Cathelineau X. Korrespondenz: Rafael Sanchez‐Salas, Department of Urology, L’Institut Mutualiste Montsouris, 6ème étage, 42 Bd. Jourdan, 75015 Paris, France. E-Mail: raersas@gmail.com Studie: Long-term functional and oncological outcomes of nerve-sparing and prostate capsule-sparing cystectomy: a single-centre experience. Quelle: BJU Int. 2019 Jun 20. doi: 10.1111/bju.14850. [Epub ahead of print] Web: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bju.14850

Kommentar

Eine radikale Zystoprostatektomie ist mit einer hohen Rate an Komorbiditäten und Funktionsstörungen wie Inkontinenz und sexueller Dysfunktion verbunden. Um diese Aspekte zu verbessern, sind im Laufe der Jahre verschiedene Arten von Techniken vorgeschlagen worden, beispielsweise die nervenschonende radikale Zystektomie oder die Zystektomie unter Schonung der Prostatakapsel. Es liegen jedoch nur wenige Daten über Langzeitüberlebensergebnisse nach diesen Verfahren vor und angesichts der Aggressivität der Urothelerkrankung bestehen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit in der urologische Gemeinschaft. In dieser Studie berichteten Saad und Kollegen über funktionelle und onkologische Ergebnisse von Patienten, die mit nervenschonender und prostatakapselschonender Zystektomie behandelt wurden, was die Machbarkeit in Bezug auf Komplikationen und Überleben sowie hervorragende funktionelle Ergebnisse zeigt. Es muss dabei hervorgehoben werden, dass eine sorgfältige Auswahl erforderlich ist, insbesondere während der transurethralen Resektion, bei der alle Patienten mit Tumor im Blasenhals ausgeschlossen werden müssen, und im Hinblick auf die Screening-Ergebnisse. Vor diesem Hintergrund scheinen diese Verfahren bei ausgewählten Patienten eine sinnvolle Alternative zu sein, um die funktionellen Ergebnisse bei Blasenkrebspatienten zu verbessern. (mm/bs)

Autor: Dr. med. Dr. rer. nat. Marco Moschini, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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