Fachverlag und Nachrichtenagentur

Zusammenhang zwischen intravitrealen Injektionen und Blutdruckanstieg

 

MEDICAL RETINA Bern – mechentel news – Trotz der unbestreitbaren Wirksamkeit der anti-vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor-Therapie (VEGF), gibt es derzeit Kontroversen über mögliche systemische Nebenwirkungen. Neben den direkten Nebenwirkungen von Anti-VEGF-Wirkstoffen, können auch andere mit der Injektion selbst verbundene Faktoren, wie perioperative Blutdruckschwankungen, zu Nebenwirkungen beitragen. Das Team um Vanessa Berger aus der Abteilung für Ophthalmologie des Berner Universitätsspitals konnte zeigen, dass der intravitreale Injektionsvorgang mit einem vorübergehenden Anstieg des Blutdrucks in Verbindung gebracht werden kann. Um den Zusammenhang zwischen intravitrealen Injektionen und Blutdruckanstieg zu untersuchen, analysierte das Team zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 Daten von 201 konsekutiven Patienten (92 Frauen und 109 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren ( Spannbreite von 18 bis 93) , die für intravitreale Injektionen vorgesehen waren. Systolischer und diastolischer Blutdruck, Pulsfrequenz und Sauerstoffsättigung wurden vor, während und nach der intravitrealen Injektion aufgezeichnet. Ein Angstfragebogen wurde von allen Teilnehmern ausgefüllt. Mit Hilfe der multivariaten Regressionsanalyse wurden mögliche Faktoren untersucht, die mit einem Blutdruckanstieg bei Injektionen verbunden sind. Die Forscher stellten fest, dass die mittlere Standardabweichung (SD) für den systolischen Blutdruck nach der Vorbereitung für die Injektion von 150 (20) mm Hg auf 162 (24) mm Hg anstieg und während der Injektion auf 168 (24) mm Hg (P<0,001). Die mittlere SD für den diastolischen Blutdruck stieg von 78 (14) mm Hg auf 83 (37) mm Hg bzw. auf 83 (16) mm Hg (P=0,009). Die mittlere SD für die Pulsfrequenz stieg von 76 (13) bpm auf 80 (13) bpm (P=0,005). Insgesamt 23 Patienten (11%) hatten einen systolischen Blutdruck von mehr als 200 mm Hg. Diese Untergruppe von Patienten hatte eine mittlere SD des perioperativen systolischen Blutdruckanstiegs von 182 (19) mm Hg auf 214 (12) mm Hg, was zu einem Anstieg von 32 (20) mm Hg (P<0,001) führte. Alter und Angstzustände sind mit einem systolischen Blutdruckanstieg in Verbindung zu bringen. Die Autoren kommen in ihrer Studie, erschienen in der Januar-Ausgabe des Fachjournals JAMA OPHTHALMOLOGY, zum Schluss, dass der größte Anstieg nach der Vorbereitung und vor der Injektion selbst erfolgt. Dies könne ein Risikofaktor für kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Komplikationen während der Behandlung darstellen. Von besonderer Bedeutung könne dies bei Patienten mit hohem Risiko für solche Vorfälle und bei Patienten mit häufigen Injektionen sein. Es bliebe zu untersuchen, ob bei Patienten, die für kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Ereignisse gefährdet sind, eine perioperative Blutdrucküberwachung oder eine antihypertensive Therapie in Betracht gezogen werden müsse. (um)

Autoren: Berger V1, Munk MR1,2, Lersch F3, Wolf S1,2, Ebneter A1, Zinkernagel MS1,2 , Korrespondenz: 1 Department of Ophthalmology, Inselspital, Bern University Hospital, Department of BioMedical Research, University of Bern, Bern, Switzerland., 2 Bern Photographic Reading Center, University of Bern, Bern, Switzerland., 3 Department of Anesthesiology, Inselspital, University of Bern, Bern, Switzerland., Studie: Association of Intravitreal Injections With Blood Pressure Increase: The Following Excitement and Anxiety Response Under Intravitreal Injection Study., Quelle: JAMA Ophthalmol. 2019 Jan 1;137(1):87-90. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2018.4892. , Web: https://jamanetwork.com/journals/jamaophthalmology/article-abstract/2712693

© 2019 -  mechentel medizin
Fachverlag und Nachrichtenagentur