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Die Bedeutung der primären Biopsie Gleason 5 bei Patienten mit Prostatakarzinom der Grad-Gruppe 5

 

PROSTATE CANCER Hamburg – mechentel news – Zuletzt wurde in der Literatur zum Teil die bekannte “Gleason-Score“ Klassifizierung für Prostatakrebs durch die vereinfachte „Gleason Grade Group“ 1-5 Klassifizierung ersetzt. Diese Klassifikation (GG) unterscheidet dabei nicht zwischen dem primären (5+4) oder sekundären (4+5) histologischen Gleason-5-Muster in GG 5. Die Autoren um Derya Tilki von der urologischen Abreilung der Martini-Klinik in Hamburg, Deutschland, befassten sich mit der Prognose des primären gegenüber dem sekundären Gleason 5 Muster in histopathologischen Ergebnissen der Prostatabiopsie. Dabei wurde eine Datenbank von 18 555 Prostatakrebs (PCa)-Patienten, die zwischen 1992 und 2014 mit einer radikalen Prostatektomie behandelt wurden, untersucht. Von diesen hatten 922 Patienten GG 5 PCa mit primärem (n=295) oder sekundärem (n=627) Gleason 5 Muster bei der Biopsie. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 74,8 Monate ([IQR] 49,2-120,2). Ein biochemisches Rezidiv (BCR) entwickelte sich bei 24,3% der Patienten (n=4508) nach einem Median von 23,6 Monaten (IQR 7,1-48,6). Bei 4,5% (n=827) entwickelten sich Metastasen und 2,0% (n=370) starben am PCa. Bei der Stratifizierung von GG 5 in primären versus sekundären Gleason 5 betrug das geschätzte metastasenfreie 5-jährige Überleben 80,4% (95% CI 76,1-85,0%) gegenüber 86,9% (95% CI 84,2-89,7%; p= 0,002) und das krebsspezifische Überleben 90,9% (95% CI 87,5-94,4%) gegenüber 96,3% (95% CI 94,7-98,0%; p< 0,001). Bei der multivariablen Analyse blieb der negative Einfluss eines primären Gleason 5 Musters gegenüber dem sekundären Gleason 5 Muster bei GG 5-Patienten signifikant für die Metastasierung ([HR] 1,58; p< 0,001) und die CSM (HR 2,44; p< 0,001). Daher kann eine Stratifizierung von GG 5 in primäres (5 + 4, 5 + 5) und sekundäres (4 + 5) Gleason 5 gerechtfertigt sein. PATIENTENZUSAMMENFASSUNG: „Bei Patienten mit einem primären histologischen Gleason-5-Muster bei der Prostatabiopsie haben wir schlechtere onkologische Ergebnisse erzielt als bei Patienten mit einem sekundären Gleason-5-Muster“, so das Forscherteam in der März-Ausgabe des Fachjournals EUROPEAN UROLOGY FOCUS. (cw/um)

Autoren: Derya Tilki 1 , Christoph Würnschimmel 2 , Felix Preisser 3 , Markus Graefen 2 , Hartwig Huland 2 , Philipp Mandel 3 , Pierre Tennstedt 2, Korrespondenz: 1 Martini-Klinik Prostate Cancer Center, University Hospital Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany; Department of Urology, University Hospital Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany. Electronic address: d.tilki@uke.de., 2 Martini-Klinik Prostate Cancer Center, University Hospital Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany., 3 Martini-Klinik Prostate Cancer Center, University Hospital Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany; Department of Urology, University Hospital Frankfurt, Frankfurt, Germany.,Studie: The Significance of Primary Biopsy Gleason 5 in Patients With Grade Group 5 Prostate Cancer, Quelle: Eur Urol Focus. 2020 Mar 15;6(2):255-258.doi: 10.1016/j.euf.2020.01.008. Epub 2020 Feb 6., Web: https://www.eu-focus.europeanurology.com/article/S2405-4569(20)30024-9/fulltext

Kommentar

Diese Untersuchung aus den Daten eines grossen Zentrums hat eindrücklich gezeigt, dass die Stratifizierung von GG 5 in primäres Gleason 5 Muster (5 + 4, 5 + 5) und sekundäres (4 + 5) Gleason 5 Muster gerechtfertigt zu sein scheint. Bei Korrespondenzen, die die GG 5 beeinhalten, sollte also entsprechend genau auf die exakte Gleason Score-Klassifizierung geschaut werden, um für den Patienten eine korrektere Prognoseabschätzung abgeben zu können. (cw)

Autor: Dr. med. univ. Christoph Würnschimmel, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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