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Verringert die Raucherentwöhnung bei der Primärdiagnose das Rezidivrisiko beim nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom?

 

BLADDER CANCER Palermo – In dieser prospektiven Studie wurde der Einfluss des Nikotinkonsums und entsprechend der Nikotin-Stopp bei Diagnosestellung auf das Rezidivrisiko eines nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms (NMIBC) untersucht. Nach Diagnosestellung mittels transurethraler Resektion wurden die Patienten entsprechend ihrem Lebensstil eingeteilt in die Gruppen „ex-Raucher“ (diese, die nach Diagnosestellung aufhörten), und „aktive Raucher“ (diese, die weiterrauchten, oder nach Diagnosestellung begonnen hatten). Der Raucherstatus wurde alle 3 Monate im ersten Jahr erhoben und danach alle 6 Monate. Insgesamt wurden 194 Patienten nachverfolgt. Von diesen haben 34,5% nach der Diagnosestellung aufgehört zu rauchen und 65,5% führten den Konsum fort, stellte das Forschungsteam um Vincenzo Serretta vom Department of Surgical, Oncological, and Oral Sciences der University von Palermo, Italien, fest. Die klinischen und pathologischen Charakteristika der Patienten waren vergleichbar. Nach einem medianen Follow-up von 38 Monaten zeigte sich ein Rezidiv bei 54,6% aller Patienten. Unterteilt in die Rauchergruppen zeigte sich eine Rezidivrate von 49,2% unter den Exrauchern und 60,3% unter den Rauchern. Das 3-Jahres rezidivfreie Überleben lag in der Ex-Rauchergruppe bei 42,3% und in der Rauchergruppe bei 50,7% (p=0.55). Die Studienergebnisse wurden im Mai 2020 in der Fachpublikation Urology Internation veröffentlicht. (cw/eh)

Autoren: Serretta V. a, Di Maida F. a, Baiamonte D. a, Vella M. a, Pavone C. a, Cacciatore L. a, Valerio M.R. b, Scalici Gesolfo C. c, Sanfilippo C. d, Korrespondenz: a Division o Urology, Department of Surgical, Oncological, and Oral Sciences, University of Palermo, Palermo, Italy, b Division of Medical Oncology, Department of Surgical, Oncological, and Oral Sciences, University of Palermo, Palermo, Italy, c Division of Urology, Paolo Borsellino Hospital, Marsala, Italy, d Statistics, GSTU Foundation, Palermo, Italy, Studie: Does Smoking Cessation at Primary Diagnosis Reduce the Recurrence Risk of Nonmuscle-Invasive Bladder Cancer? Results of a Prospective Study, Quelle: Urol Int 2020;104:396–401. Published online: May 5, 2020. DOI: 10.1159/000507122, Web: https://www.karger.com/Article/Abstract/507122

Kommentar: Bislang war zwar bekannt, dass der Raucherstatus einen starken Einfluss auf das Auftreten eines Harnblasenkarzinoms hat, jedoch blieb unerforscht ob eine spätere Nikotinkarenz den weiteren Verlauf positiv begünstigen könnte. Diese prospektische Studie aus Italien geht bereits den richtigen Schritt, diese Wissenslücke zu füllen. Schliesslich zeigt sich jedoch unter anderem wohl deswegen keine statistische Signifikanz in den Ergebnissen weil die Patientenzahl für diese Aussage weitaus zu gering ist. Unabhängig davon sollte jedoch auch aufgrund bekannter anderer Nebenwirkungen des Nikotinkonsums jedem Patienten eine Karenz angeraten werden. (cw/um)

Autor: Dr. med. univ. Christoph Würnschimmel, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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