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Review: Fehlende Adhärenz und Persistenz bei Injektionstherapie mit intravitrealem VEGF

 

MEDICAL RETINA Melbourne – mechentel news – Hier handelt es sich um ein systematisches Review zu den Risikofaktoren für fehlende Adhärenz und Persistenz bei einer Injektionstherapie mit intravitrealem VEGF (Anti-Vascular Endothelial Growth Factor) bei neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration (nAMD). Die klinische Relevanz des Themas ergibt sich aus dem erheblichen Hindernis, welches Nicht-Adhärenz oder Unterbehandlung für eine Optimierung der Ergebnisse bei Patienten mit nAMD und damit auch hinsichtlich der Evidenz klinischer Studien darstellen. Die dazu beitragenden Faktoren und Strategien sind kaum bekannt. Das Autorenteam um Mali Okada aus dem Royal Victorian Eye and Ear Hospital in Melbourne, Australien, sichtete dazu Studien, die Faktoren für die Nichteinhaltung und Nichtbeständigkeit der Anti-VEGF-Therapie berichteten, sowie Studien, in denen Strategien zur Verbesserung der Durchführung dieser Therapie untersucht wurden. Die Beurteilung der Eignung der Studien und die Datenextraktion erfolgten gemäss den Cochrane-Reviewmethoden. Das Bias-Risiko wurde mit dem „Mixed Method Assessment Tool“ bewertet und die Evidenzsicherheit nach dem GRADE-System für „Confidence in the Evidence from Reviews of Qualitative Research“ bewertet. Die Daten wurden deskriptiv zusammengestellt. Von den 1.284 gescreenten Abstracts wurden 124 Artikel vollständig bewertet und 37 Studien erfüllten die Einschlusskriterien. Die Definitionen für Nicht-Adhärenz und Nicht-Persistenz waren unterschiedlich oder wurden nicht angegeben. Eine Nicht-Persistenz trat früh auf, wobei bis zu 50% der Patienten die Behandlung nach 24 Monaten abbrachen. In ähnlicher Weise wurde über hohe Anteile der Nicht-Adhärenz berichtet, die bei 32% bis 95% der Patienten auftraten. Die Sicherheit dieses Befundes wurde aufgrund der Heterogenität der in den Studien verwendeten Definitionen auf ein moderates Niveau herabgestuft. Mehrere Faktoren bestimmen die Rate der Nicht-Adhärenz und Nicht-Beständigkeit, unter anderem der Zustand, die Therapie, der Patient, das sozio-ökonomische Umfeld und das Level des Gesundheitssystems bzw. des Behandlungsteams. Eine mässige Evidenz für Qualität weist auf eine geringere Sehkraft zum Ausgangszeitpunkt und ein schlechteres Ansprechen auf die Behandlung als konditionsbedingte Variablen hin. Die Auswirkungen anderer Faktoren waren von geringerer Sicherheit, hauptsächlich aufgrund geringer Zahlen und möglicher Verzerrungen bei der retrospektiven Bewertung. Obwohl viele Faktoren nicht modifizierbar sind (z. B. Komorbidität des Patienten), sind andere Faktoren möglicherweise korrigierbar (z. B. mangelnde Transportmöglichkeiten oder nicht übereinstimmende Patientenerwartungen). Die Evidenz für Strategien zur Verbesserung der Adhärenz und Persistenz ist begrenzt, aber sofern verfügbar, haben sich diese als wirksam erwiesen. Die Autoren weisen in der elektronischen Vorabpublikation im August 2020 beim Fachjournal OPHTHALMOLOGY darauf hin, dass ein Bewusstsein für Faktoren, die mit einer schlechten Adhärenz der Patienten und Therapiepersistenz bei nAMD zusammenhängen, dazu beitragen könne, Risikopopulationen zu identifizieren und die tatsächlichen Ergebnisse zu verbessern. Weitere Studien seien erforderlich, um einheitliche Definitionen zu entwickeln und qualitativ hochwertige Evidenz für Interventionen zu erreichen, die leicht umgesetzt werden können.(bs)

Autoren: Okada M, Mitchell P, Finger RP, Eldem B, Talks SJ, Hirst C, Paladini L, Barratt J, Wong TY, Loewenstein A. Korrespondenz: Mali Okada, MMed, Royal Victorian Eye and Ear Hospital, 32 Gisborne Street, East Melbourne, VIC 3002 Australia. E-Mail: Mali.Okada@eyeandear.org.au Studie: Nonadherence or Nonpersistence to Intravitreal Injection Therapy for Neovascular Age-Related Macular Degeneration: A Mixed-Methods Systematic Review. Quelle: Ophthalmology. 2020 Aug 5:S0161-6420(20)30748-X. doi: 10.1016/j.ophtha.2020.07.060. Epub ahead of print. PMID: 32763265; PMCID: PMC7403101. Web: https://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(20)30748-X/fulltext

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