Fachverlag und Nachrichtenagentur

Multiparametrische Magnetresonanztomographie allein reicht nicht aus, um eine Grad-Umklassifizierung bei der aktiven Überwachung von Prostatakrebs zu erkennen

 

PROSTATE CANCER San Francisco Für Männer mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs wird eine aktive Überwachung empfohlen, um die mit einer radikalen Behandlung verbundenen Nebenwirkungen zu minimieren. In diesem Zusammenhang wird die multiparametrische Magnetresonanztomographie der Prostata zunehmend zur Diagnose, zum Staging und zur Risikostratifikation von Prostatakrebs eingesetzt, obwohl ihr langfristiger Nutzen weiterhin erforscht wird. Nationale Richtlinien unterstützen den Einsatz der multiparametrischen MRT bei Patienten unter aktiver Überwachung, aber andererseits ist es nicht sicher, ob eine negative MRT die Notwendigkeit einer Bestätigungsbiopsie oder einer Biopsie danach in einem aktiven Überwachungsprotokoll ersetzen kann. Das Forschungsteam um Carissa E. Chu vom Department of Urology des Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center an der University of California, San Francisco (UCSF), USA, untersuchte die Daten von 344 Patienten, die dort zur aktiven Überwachung von Prostatakrebs eingeschrieben waren. Die Patienten wurden von 2001 bis 2017 nach der Diagnose von Prostatakrebs mit Gleason-Score 6 während einer systematischen Biopsie, gefolgt von einer mpMRT und bis zu 4 Folgebiopsien eingeschrieben. Patienten, die mittels Fusionsbiopsie diagnostiziert wurden, waren von der Studie ausgeschlossen. Das aktive Überwachungsprotokoll umfasste einen PSA-Test und eine digitale rektale Untersuchung alle 6 Monate, eine multiparametrische MRT alle 12-18 Monate und eine Überwachungsbiopsie alle 1-2 Jahre. Insgesamt wurden 166 Patienten bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 29 Monaten hochgestuft. Der insgesamt negative prädiktive Wert der multiparametrischen MRT betrug 79,5%. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die multiparametrische MRT nützlich ist, aber noch nicht ausreicht, um eine pathologische Neuklassifizierung, insbesondere eine Bestätigungsbiopsie, auszuschließen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der „European Urology“ im Juli 2020 online vorveröffentlicht.(mm/eh)

Autoren: Carissa E Chu 1, Peter E Lonergan 1, Samuel L Washington 1, Janet E Cowan 1, Katsuto Shinohara 1, Antonio C Westphalen 2, Peter R Carroll 1, Matthew R Cooperberg 3. Korrespondenz: 1 Department of Urology, Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center, University of California, San Francisco, CA, USA. 2 Department of Urology, Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center, University of California, San Francisco, CA, USA; Department of Radiology and Biomedical Imaging, University of California, San Francisco, CA, USA. 3 Department of Urology, Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center, University of California, San Francisco, CA, USA; Department of Epidemiology & Biostatistics, University of California, San Francisco, CA, USA. Electronic address: matthew.cooperberg@ucsf.edu., Studie: Mutiparametric Magnetic Resonance Imaging Alone is Insufficient to Detect Grade Reclassification in Active Surveillance for Prostate Cancer., Quelle: Eur Urol . 2020 Oct;78(4):515-517. doi: 10.1016/j.eururo.2020.06.030. Epub 2020 Jul 4., Web: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0302283820304590?via%3Dihub

Kommentar

Dieser Artikel bringt weitere Daten zu einem heißen Thema in der urologischen Fachwelt. Können wir bei Patienten in einem aktiven Überwachungsprotokoll ausschliesslich MRT verwenden, um eine Biopsie zu vermeiden? Diese Daten legen nahe, dass die MRT sicherlich nützlich aber wahrscheinlich nicht ausreichend ist, um eine Bestätigungsbiopsie vollständig zu vermeiden. In Erwartung neuer Marker oder besserer Bildgebungstechnologien sollte die Bestätigungsbiopsie in den aktiven Überwachungsprotokollen verbleiben. (mm/eh)

Autor: Dr. med. Dr. rer. nat. Marco Moschini, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

© 2019 -  mechentel medizin
Fachverlag und Nachrichtenagentur