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Neuroradiologische Verfahren zur Objektivierung von Visuellem Schnee

 

NEUROOPHTHA Zürich- Visueller Schnee (VS) ist ein belastender, das Leben beeinflussender Zustand mit anhaltenden visuellen Phänomenen. VS-Patienten zeigen einen zerebralen Hypermetabolismus im visuellen Kortex, was zu einer veränderten neuronalen Erregbarkeit führt. Die Autoren um Njoud Aldusary aus der Klinik für Neuroradiologie des Clinical Neuroscience Center am Universitätsspital Zürich in der Schweiz stellten die Hypothese auf, es seien erkrankungsabhängige Veränderungen der funktionellen Konnektivität und des Volumens der grauen Substanz (GMV) in Regionen nachweisbar, die mit der visuellen Wahrnehmung assoziiert sind. Insgesamt wurden neunzehn Patienten mit VS und 16 geschlechts- und altersentsprechenden Kontrollen rekrutiert. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) wurde die funktionelle Konnektivität im Ruhezustand (rsFC) untersucht. Volumenänderungen wurden mittels voxel-basierter Morphometrie (VBM) bewertet. Schliesslich wurden die Assoziationen zwischen MRT-Indizes und klinischen Parametern bestimmt. Patienten mit VS zeigten eine Hyperkonnektivität zwischen extrastriären visuellen und inferioren temporalen Hirnregionen sowie zwischen präfrontalen und parietalen Hirnregionen (p <0,05; korrigiert um Alter und Migräne). Zusätzlich zeigten die Patienten ein erhöhtes GMV im rechten lingualen Gyrus (p <0,05 korrigiert). Die Symptomdauer korrelierte in beiden lingualen Gyri positiv mit dem GMV (p <0,01 korrigiert). Die Autoren halten in der elektronischen Publikation aus dem November 2020 beim Fachjournal FRONTIERS IN HUMAN NEUROSCIENCE fest, dass ihre Studie ergab, dass VS sowohl mit funktionellen als auch strukturellen Veränderungen im frühen und höheren visuellen Kortex sowie im temporalen Kortex assoziiert ist. Diese Gehirnregionen sind an der visuellen Verarbeitung, dem Gedächtnis, der räumlichen Aufmerksamkeit und der kognitiven Kontrolle beteiligt. Sie schliessen daraus, das VS nicht nur auf das visuelle System beschränkt ist und dass bei VS-Patienten sowohl funktionelle als auch strukturelle Veränderungen auftreten, sei es als Epiphänomen oder als direkter Beitrag zum Pathomechanismus von VS. Für diesen bislang rein subjektiven Zustand des Visuellen Schnees könnten diese In-vivo-Neuroimaging-Biomarker ein Potenzial für objektive Ergebnismessungen haben.(bs)

Autoren: Aldusary N, Traber GL, Freund P, Fierz FC, Weber KP, Baeshen A, Alghamdi J, Saliju B, Pazahr S, Mazloum R, Alshehri F, Landau K, Kollias S, Piccirelli M, Michels L. Korrespondenz: Lars Michels, Department of Neuroradiology, Clinical Neuroscience Center, University Hospital Zurich, Zurich, Switzerland. E-Mail: lars.michels@usz.ch Studie: Abnormal Connectivity and Brain Structure in Patients With Visual Snow. Quelle: Front Hum Neurosci. 2020 Nov 19;14:582031. doi: 10.3389/fnhum.2020.582031. PMID: 33328934; PMCID: PMC7710971. Web: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnhum.2020.582031/full

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