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Assoziationen zwischen Tabakkonsum sowie Bruttoinlandsprodukt und Inzidenz des Blasenkrebs

Assoziationen zwischen Tabakkonsum sowie Bruttoinlandsprodukt und Inzidenz des Blasenkrebs

LOWER URINARY TRACT Hong Kong – Jährlich erkranken weltweit ungefähr 550.000 Patienten an Blasenkrebs. Die vorliegende Studie eines internationalen Autorenteams um Jeremy Yuen-Chun Teoh aus dem S.H. Ho Urology Centre der Chinese University of Hong Kong, China, untersuchte den Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit der Inzidenz und Mortalität von Blasenkrebs. Das BIP reflektiert hierbei die ökonomischen Möglichkeiten eines Landes in der Gesundheitsversorgung und entsprechend in der Behandlung von Blasenkrebs. Als Datenquelle dienten den Autoren mehrere Datenbanken (GLOBOCAN, WHO mortality database, WHO Global Health Observatoy, UN Human Development Report). Den unterschiedlichen demografischen Verhältnissen wurde mittels Angabe von Inzidenzen und Mortalität in age-standardised-rates (ASR) Rechnung getragen. Die globale geografische Inzidenz beim männlichen Geschlecht unterschied sich dabei erheblich, variierend von 1,3/100.000 in Afrika bis 26,5/100.00 in Südeuropa. Der geografische Unterschied bei Frauen war hingegen deutlich weniger ausgeprägt. Nach statistischer Auswertung zeigte sich eine Korrelation zwischen Tabakkonsum und Blasenkrebsinzidenz als auch Mortalität in beiden Geschlechtern (weiblich: Inzidenz r = 0,67; Mortalität r = 0,22; männlich: Inzidenz r = 0,20; Mortalität r = 0,38). Ebenfalls zeigten sich eine positive Korrelation zwischen BIP und der Inzidenz von Blasenkrebs (weiblich r = 0,44; männlich r = 0,48). Die Korrelation zwischen BIP und Blasenkrebsmortalität war in Männern hingegen nur schwach ausgeprägt (r = 0,19), bei Frauen zeigte sich keine Korrelation (r = 0,06). Ursächlich diskutieren die Autoren im Fachjournal EUROPEAN UROLOGY hierfür die nur geringen therapeutischen Fortschritte in der Behandlung des fortgeschrittenen Blasenkrebs während den letzten zwei Dekaden. In der durchgeführten Multivariable Regression Analysis zeigte sich, nicht überraschend, eine signifikante Assoziation zwischen Tabakkonsum und Inzidenz und Mortalität in Männern und der Inzidenz in Frauen. Betrachtet man die historischen Daten der letzten 10 Jahre in Europa findet sich eine zunehmende Inzidenz bei rückläufiger Mortalität, dies als mögliche Reflektion bei einem gesteigerten Krankheitsbewusstsein und früherer Diagnostik mit Möglichkeit der kurativen Therapie.(fa/um)

Autoren: Teoh JY, Huang J, Ko WY, Lok V, Choi P, Ng CF, Sengupta S, Mostafid H, Kamat AM, Black PC, Shariat S, Babjuk M, Wong MC. Korrespondenz: Martin Chi-Sang Wong, 4/F, School of Public Health and Primary Care, Prince of Wales Hospital, Shatin, Hong Kong SAR, China. E-Mail: wong_martin@cuhk.edu.hk Studie: Global Trends of Bladder Cancer Incidence and Mortality, and Their Associations with Tobacco Use and Gross Domestic Product Per Capita. Quelle: Eur Urol. 2020 Dec;78(6):893-906. doi: 10.1016/j.eururo.2020.09.006. Epub 2020 Sep 21. PMID: 32972792. Web: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0302283820306977

Kommentar

In einer übersichtlichen Arbeit zeigen die Autoren globale Trends des Blasenkrebses auf. Es gilt darauf hinzuweisen, dass Korrelationen untersucht wurden und keine Kausalitäten. Aufgrund fehlender Daten konnten Charakteristika wie Tumorstadium oder Tumorhistologie nicht in die Analysen miteinbezogen werden, ebenso wenig wie der Einfluss anderweitiger Karzinogene des Urothels. Wobei in gewissen Regionen der Welt der Schistosomiasis sicher eine gewisse Bedeutung zukommen dürfte. Eine Unterdiagnostizierung bzw. ein Underreporting, insbesondere in weniger entwickelten Ländern, könnte mitunter einen Einfluss auf die tiefe Inzidenz in Afrika haben.(fa)

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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