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D-Mannose bei Prävention rezidivierender unkomplizierter Zystitis: Stand der Technik und Zukunftsperspektiven

URINARY TRACT INFECTION Rom – Unkomplizierte Harnwegsinfekte (UTI) sind ein häufiges Krankheitsbild, insbesondere bei Frauen. In den USA sind ca. 11% der Frauen mindestens einmal im Jahr von einem Harnwegsinfekt betroffen. 50% davon mindestens ein weiters Mal innerhalb des gleichen Jahres. Die Standardtherapie des UTI sind Antibiotika. Aufgrund der Kosten, Nebenwirkungen und Resistenzbildung besteht der Bedarf alternativer Therapieoptionen, therapeutisch als auch prophylaktisch. Eine vielversprechende Therapie- und Präventionsmöglichkeit stellt D-Mannose dar, ein Monosaccharid, welches über den Urin ausgeschieden die Adhäsion von Bakterien am Urothel beeinflusst. Das Ziel des hier vorgestellten Reviews von Cosimo De Nunzio und Kollegen, welches in der April-Ausgabe der Fachzeitschrift ANTIBIOTICS erschien, lag darin, vorliegende Studien zur D-Mannose zu analysieren und die Daten zusammenzufassen. Hierzu hat das Team aus der urologischen Abteilung des Sant’Anrea Hospital der Sapienza Universität in Rom, Italien, eine nicht systematische Literatur Review durchgeführt (Keywords: «female/women», «urinary tract infection» und «D-Mannose») welche zwischen 2010 und 2021 publizierte Artikel berücksichtigte. Insgesamt konnten so 130 Studien identifiziert werden, wobei 13 den weiteren Kriterien (klinische Studien, systematische Reviews, Meta-Analysen; allesamt mit Kontrollgruppe) entsprachen und analysiert wurden. Die Auswertung der inkludierten Studien zeigte generell eine gute Verträglichkeit von D-Mannose mit nur wenig Nebenwirkung. 8% der Probandinnen, welche 2g D-Mannose täglich während mindestens den letzten sechs Monaten eingenommen hatten berichteten über Diarrhoe. In einer Vergleichsstudie zeigte sich ein deutlich höheres Nebenwirkungsrisiko in der Nitrofurantoin Vergleichsgruppe (RR 0.276, p=0.0001). Weiter zeigten die meisten Studien, dass D-Mannose eine Rolle in der Prävention von rezidivierenden UTI spielen kann. Generell war die Datenqualität in den Studien tief, Daten zu Dosis, Frequenz und Dauer fehlen. Entgegen der häufigen Verschreibung von D-Mannose im klinischen Alltag wird die UTI Prophylaxe mit D-Mannose in den aktuellen EAU Guidlines ausserhalb klinischer Studien nicht empfohlen. Eine weitere, vielversprechende Therapieoption scheint die Kombination von D-Mannose mit Polyphenolen oder Lactobazillen zu sein, wobei sich hinsichtlich Datenqualität ein ähnliches Bild ergibt. (fa/um)

Autoren: Cosimo De Nunzio 1, Riccardo Bartoletti 2, Andrea Tubaro 1, Alchiede Simonato 3, Vincenzo Ficarra 4, Korrespondenz: 1 Department of Urology, Sant’Andrea Hospital, Sapienza University of Rome, 00141 Rome, Italy. 2 Department of Translational Research and New Technologies, Urology Unit, University of Pisa, 56010 Pisa, Italy. 3 Department of Surgical, Oncological and Oral Sciences, Urology Section, University of Palermo, 90121 Palermo, Italy. 4 Department of Human and Pediatric Pathology „Gaetano Barresi“, Urology Section, University of Messina, 98168 Messina, Italy. Studie: Role of D-Mannose in the Prevention of Recurrent Uncomplicated Cystitis: State of the Art and Future Perspectives, Quelle: Antibiotics (Basel). 2021 Apr 1;10(4):373.doi: 10.3390/antibiotics10040373. Web: http://europepmc.org/article/MED/33915821

 

Kommentar

In der vorliegenden Literatur zeigt sich keine so klare, bzw. auf soliden Daten basierende Evidenz, wie man sich aufgrund der häufigen Verschreibung von D-Mannose im klinischen Alltag möglicherweise vermuten würde. Dies wird in den aktuellen Guidlines durch die fehlende Empfehlung reflektiert. Allerdings scheint das Nebenwirkungspotential von D-Mannose auch eher klein zu sein, so dass eine individuelle, versuchsweise Verschreibung nach Aufklärung der Patientin wohl diskutiert werden könnte. Auch im Hinblick des Nebenwirkungspotentiales einer möglichen Antibiotikadauerprophylaxe als Alternative. Sicherlich sind weitere qualitativ hochstehende Studien nötig zur Klärung der Wirksamkeit von D-Mannose. (fa)

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Lucerner Kantonspital

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