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Visusergebnisse nach sofortiger und verzögerter sequenzieller bilateraler Kataraktoperation

CATARACT Seattle – In den USA werden jährlich etwa 2 Millionen Kataraktoperationen durchgeführt, und die Art und Weise des Angebotes von Kataraktoperationen ändert sich, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Daher hielten es Julia P. Owen et al. aus dem Department of Ophthalmology der University of Washington in Seattle, Vereinigte Staaten, für wichtig, eine vergleichende Analyse der Sehschärfe-Ergebnisse nach einer sofortigen sequenziellen bilateralen Kataraktoperation (ISBCS) im Vergleich zu einer verzögerten (DSBCS) durchzuführen, um Erkenntnisse zu zukünftigen Best Practices zu gewinnen. Zusammen mit dem IRIS Research Analytic Center Consortium verglichen sie die refraktiven Ergebnisse von Patienten, die sich einer ISBCS, einer DSBCS (DSBCS-14) mit kurzem Intervall (1-14 Tage zwischen den Operationen) und einer DSBCS (DSBCS-90) mit langem Intervall (15-90 Tage) unterzogen hatten. Für diese retrospektive Kohortenstudie wurden populationsbasierte Daten aus dem Intelligent Research in Sight (IRIS)-Register der American Academy of Ophthalmology genutzt. Insgesamt wurden 1.824.196 Teilnehmer des IRIS-Registers mit bilateralen Bestimmungen des Visus, die sich einer beidseitigen Kataraktoperation unterzogen hatten, eingeschlossen. Die Teilnehmer wurden basierend auf dem Zeitpunkt der zweiten Augenoperation in 3 Gruppen (DSBCS-90-, DSBCS-14- und ISBCS-Gruppe) eingeteilt. Zur Analyse der refraktiven Ergebnisse des ersten und zweiten operierten Auges wurden univariable und multivariable lineare Regressionsmodelle angewandt. Hauptzielparameter waren die mittlere postoperative unkorrigierte Sehschärfe (UCVA) und bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) nach Kataraktoperation. Das mittlere Alter der Studienteilnehmer jünger als 87 Jahre lag bei 70 Jahren; 37,5% waren männlich. Nach Bereinigung der Daten zu Alter, selbstangegebene ethnischer Herkunft, Versicherungsstatus, altersbedingter Makuladegeneration, diabetischer Retinopathie und Glaukom in der Vorgeschichte lag in der DSBCS-14-Gruppe im Vergleich zur DSBCS-90-Gruppe die UCVA des ersten chirurgischen Auges um 0,41 Buchstaben höher und die BCVA um 0,89 Buchstaben höher, wohingegen in der ISBCS-Gruppe die UCVA um 2,79 Buchstaben und die BCVA um 1,64 Buchstaben niedriger lag (sämtlich p < 0,001). In ähnlicher Weise wurde im Vergleich zur DSBCS-90-Gruppe für das zweite Auge in der DSBCS-14-Gruppe die UCVA um 0,79 Buchstaben (p < 0,001) höher und die BCVA um 0,48 Buchstaben (p < 0,001) höher bestimmt, während in der ISBCS-Gruppe die UCVA- um 1,67 Buchstaben und die BCVA-Werte um 1,88 Buchstaben niedriger lagen (ebenfalls sämtlich p < 0,001). Die Autoren kommen in der elektronischen Vorabpublikation im Juli 2021 beim JAMA OPHTHALMOLOGY zu folgenden Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie mit Patienten im IRIS-Register deuten darauf hin, dass ISBCS im Vergleich zu DSBCS-14 oder DSBCS-90 mit schlechteren visuellen Ergebnissen verbunden ist, die klinisch relevant sein könnten oder nicht sein könnten, je nach zusätzlichen Risikofaktoren des Patienten. Die nicht-randomisierte Gruppenzuordnung, Störfaktoren sowie die hohe Stichprobengrösse könnten für die festgestellten kleinen, aber statistisch signifikanten Unterschiede verantwortlich sein. Weitere Studien seien erforderlich, um festzustellen, ob diese Faktoren bei der Beratung von Patienten vor einer Kataraktoperation als klinisch relevant angesehen werden sollten. (bs)

Autoren: Owen JP, Blazes M, Lacy M, Yanagihara RT, Van Gelder RN, Lee AY, Lee CS; IRIS Research Analytic Center Consortium. Korrespondenz: Julia P. Owen, PhD, Department of Ophthalmology, University of Washington, Seattle, USA. Studie: Refractive Outcomes After Immediate Sequential vs Delayed Sequential Bilateral Cataract Surgery. Quelle: JAMA Ophthalmol. 2021 Jul 1:e212032. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2021.2032. Epub ahead of print. PMID: 34196667; PMCID: PMC8251655. Web: https://jamanetwork.com/journals/jamaophthalmology/article-abstract/2781698

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