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Klammerlose roboterassistierte radikale Prostatektomie und Auswirkungen auf die Ergebnisse

PROSTATE CANCER New York – Der Erhalt des neurovaskularen Bündels im Rahmen der Prostatektomie ist essenziell für die Erektion. Seit der Studien von Ong et al. an Hunden gilt das Dogma, elektrische Energie zur Hämostase in der Nähe des Gefässnervenbündels möglichst zu vermeiden. Entsprechend werden zur Hämostase häufig Ligaturen, Stapler oder Clips eingesetzt. Wobei diese wiederum mit gewissen spezifischen Komplikationen wie Clipmigration, Steinbildung oder Blasenhalskontraktur einhergehen können. Motiviert durch die Tatsache, dass Fachgebiete wie die Neurochirurgie oder die Otolaryngologie in direkter Nähe zu neuronalem Gewebe bipolare Hämostase anwenden, forderten Basourakos et. al in ihrer Studie das gängige Dogma heraus. In der retrospektiven, single-surgeon Studie untersuchten die Autoren aus der urologischen Abteilung des New York Presbyterian Hospital, Weill Cornell Medicine in New York, USA, das Outcome von 194 Patienten, bei deren Operation-Clips Verwendung fanden (RALP-c) und verglichen die Resultate mit jenen von 144 Patienten, bei deren Operation nur bipolare Energie zur Hämostase zum Einsatz kam (RALP-bi). In der RALP-c Technik wurden jeweils die im Körper verbleibende Seite sowie die Seite des Präparates mit einem Hem-o-lok-Clip versorgt, die Durchtrennung erfolgte kalt. Die RALP-bi Technik versorgte im Gegensatz die beiden Gebiete mit einem kurzen Stromstoss, im Anschluss erfolgte ebenfalls die kalte Durchtrennung. Primär erfolgte der Vergleich von funktionellen (Kontinenz, Erektionsfähigkeit) sowie onkologischen Outcomes (Trifecta). Hinsichtlich der Patientencharakteristika bestand nur in Bezug auf das Tumorstadium ein statistisch signifikanter Unterschied mit einem Überwiegen der T2 bzw. T3 Patienten in der RALP-bi Gruppe (12% vs. 4,6%, p = 0,017). Die Operationszeit in der RALP-bi Gruppe war deutlich kürzer als jene der RALP-c Gruppe (218 vs. 241 min, p < 0,001). In Bezug auf den Blutverlust und die Hospitalisationsdauer zeigte sich zwar ein statistischer Unterschied, allerdings ohne klinische Relevanz. Eine Gefässnervenschonung wurde in der RALP-bi Gruppe weniger häufig als in der RALP-c Gruppe angewandt (92% vs. 99%, p = 0,005). Kein Unterschied bestand in der 30 Tages Komplikationsrate sowie im Auftreten einer Blasenhalskontraktur, ebenso wenig im Auftreten von Lymphozelen. Diese Resultate stehen somit im Einklang mit der Studie von Di Pierre et. al aus dem Jahr 2017 des Luzerner Kantonsspitales. In Bezug auf die onkologischen Resultate erwiesen sich die beiden Verfahren als gleichwertig, ebenso hinsichtlich der funktionellen Outcomes. Als Vorteile der RALP-bi Technik heben die Autoren in der Juli-Ausgabe 2021 von EUROPEAN UROLOGY FOCUS die geringere Operationszeit sowie den geringeren Einfluss des Tableside-Assistenten hervor. (fa/um)

Autoren: Basourakos SP, Lewicki PJ, Ramaswamy A, Cheng E, Dudley V, Yu M, Karir B, Hung AJ, Khani F, Hu JC. Korrespondenz: Jim C. Hu, Department of Urology, New York Presbyterian Hospital – Weill Cornell Medicine, 525 East 68th Street, Starr 900, New York, NY 10065, USA. E-Mail: jch9011@med.cornell.edu Studie: Clipless Robotic-assisted Radical Prostatectomy and Impact on Outcomes. Quelle: Eur Urol Focus. 2021 Jul 7:S2405-4569(21)00175-9. doi: 10.1016/j.euf.2021.06.010. Epub ahead of print. PMID: 34246618. Web: https://www.eu-focus.europeanurology.com/article/S2405-4569(21)00175-9/fulltext

Kommentar

Eine sehr interessante Studie, welche eine gängige Annahme herausfordert. Limitierend sind sicherlich die relativ kurze Follow-up-Periode, welche keine Aussage über Langzeitergebnisse erlaubt, sowie das retrospektive Studiendesign. Ob sich die Ergebnisse bei Verwendung von Hem-o-lok-Clips auf andere nicht thermale Formen der Hämostase übertragen lassen ist unklar. (fa/um)

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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