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Sexuelle Funktionsstörungen bei jungen Erwachsenen, die eine Krebserkrankung im Kindesalter überlebt haben

EPIDEMIOLOGY Solna – Allein in Europa leben circa 500.000 Menschen, welche während der Kindheit an Krebs erkrankt sind. Viele der Betroffenen leiden auch später noch an chronischen Krankheitsfolgen. Hinsichtlich der sexuellen Gesundheit der Betroffenen in ihrer Jugend liegen nur beschränkte Daten vor. Eine Störung der sexuellen Gesundheit kann beispielsweise als Folge einer Radio- oder Chemotherapie vorliegen. Um etwas Licht in dieses bisher nur wenig erforschte Gebiet zu bringen, evaluierte das Team um Emma Hovén in dieser Studie die Prävalenz sexueller Dysfunktion sowie Risikofaktoren im entsprechenden Patientenkollektiv. Die Forscher aus dem Department of Women’s and Children’s Health des Karolinska Institutet in Solna, Sweden, haben über eine entsprechende schwedische Datenbank mögliche Teilnehmer, welche im Alter zwischen 0 bis 17 Jahren an Krebs erkrankten und nun zwischen 19 und 40 Jahre alt waren, identifiziert. Als Vergleichsgruppe diente ein zufälliges Kollektiv von je 1.000 Männern und Frauen im Alter zwischen 19 und 40 Jahren. Den Teilnehmenden wurde ein Fragebogen mit verschiedenen Scores zugeschickt. Als sexuelle Dysfunktion wurden jene Werte definiert, welche sich mehr als eine Standardabweichung von Mittelwert befanden. Ausgewertet wurden die Fragebögen von insgesamt 2.546 Krebsüberlebenden (1.333 weiblich, 1.213 männlich).
57% der befragten weiblichen und 35% der männlichen Krebsüberlebenden berichteten über eine sexuelle Dysfunktion in mindestens einer der untersuchten Domänen während des letzten Monats. Bei den Frauen betraf die Dysfunktion am häufigsten das Interesse an sexueller Aktivität und Orgasmusfähigkeit, bei Männern hingegen die Bereiche Zufriedenheit mit dem Sexualleben, Interesse an sexueller Aktivität und Erektionsfähigkeit. Verglichen mit dem Kontrollkollektiv klagten Frauen, welche eine kindliche Krebserkrankung überlebt hatten, häufiger über Störungen des Orgasmus (OR = 1,86). Bei den Männern liess sich die gleiche Beobachtung anstellen (OR = 1,82), ebenfalls besteht ein Unterschied bei der Erektionsfähigkeit (OR = 2,3). In der September-Ausgabe 2021 des EUROPEAN JOURNAL OF CANCER stellten die Autoren fest, dass generell bei Krebsüberlebenden Störungen der sexuellen Gesundheit häufig assoziiert waren mit dem Fehlen eines Partners, tiefem Bildungsniveau, emotionalem Distress und Körperbildstörungen. (fa/um)

Autoren: Hovén E, Fagerkvist K, Jahnukainen K, Ljungman L, Lähteenmäki PM, Axelsson O, Lampic C, Wettergren L. Korrespondenz: Emma Hovén, Department of Women’s and Children’s Health, Karolinska Institutet, Sweden. E-Mail: emma.hoven@ki.se Studie: Sexual dysfunction in young adult survivors of childhood cancer – A population-based study. Quelle: Eur J Cancer. 2021 Sep;154:147-156. doi: 10.1016/j.ejca.2021.06.014. Epub 2021 Jul 14. PMID: 34273812. Web: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00389-0/fulltext

Kommentar

Es handelt sich wohl um eine der grössten bisher durchgeführten Studien, welche die sexuelle Gesundheit von im Kindesalter an Krebs erkrankten Personen untersucht. Obwohl direkte Implikationen für den klinischen Alltag fehlen, kann die Studie zu einem gesteigerten Bewusstsein im Umgang mit Betroffenen führen. (fa/um)

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital

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