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Fachverlag und Nachrichtenagentur

Sterblichkeitstrends bei urologischen Krebserkrankungen in Europa von 1980 bis 2017 und Prognose bis 2025

EPIDEMIOLOGY Mailand – Die Mortalität urologischer Karzinome ist bekanntermassen unterschiedlich in verschiedenen Ländern Europas. In der vorliegenden Studie wird nun erstmalig eine gross angelegte zeitliche Trendanalyse über 36 europäischen Staaten, inklusive der Schweiz, aus der Datenbank der WHO von Paola Bertuccio’s Team aus dem Department of Biomedical and Clinical Sciences L. Sacco an der Università degli Studi di Milano in Mailand, Italien, präsentiert, die die Zahl der Todesfälle und Bevölkerungsdaten über den Zeitraum 1980 – 2017 analysierte und altersstandardisierte Sterblichkeitsraten (gemessen an der Weltbevölkerung) für jede betrachtete Karzinomart und jedes Geschlecht berechnet hat. Diese Analysen bezogen sich auf die Europäische Union als Ganzes, sowohl über alle Altersgruppen, aber speziell auch das Alter von 35-64 Jahren für Prostata, Blasen- und Nierenkarzinome und das Alter von 20 bis 44 Jahren für Hodenkrebs. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden hier nur Auszüge aus den präsentierten Daten geliefert. Für die vollständige und länderspezifische Auflistung verweisen wir auf die Originalpublikation.
– Die Mortalität bei Vorliegen eines Prostatakarzinoms in der EU hat in den letzten Jahren abgenommen und erreichte 2015 eine Rate von 10,3/100.000 und wird voraussichtlich bei 8,9/100.000 im Jahr 2025 liegen. Weniger günstige Trends wurden, wie die Forscher in der Originalstudie, erschienen in der Oktober-Ausgabe 2021 der Fachzeitschrift EUROPEAN UROLOGY ONCOLOGY berichten, in Osteuropa beobachtet, allerdings sind dort die Raten im Allgemeinen dennoch niedrig.
– Die Mortalität bei Vorliegen eines Hodenkarzinoms ging ebenfalls in den meisten Ländern im Laufe der Zeit zurück. Die EU-Sterblichkeitsrate für Hodenkrebs lag 2015 in allen Altersgruppen bei 0,3/100.000 und 0,6/100.000 in der Altersgruppe der 20- bis 44-Jährigen.
– Die Mortalität bei Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms zeigte sich in den zentraleuropäischen und osteuropäischen Ländern höher als in den nördlichen und westlichen Ländern. Die EU-Raten lagen 2015 bei 5,1/100 .000 Männern und 1,1/100.000 Frauen.
– Die Mortalität bei Vorliegen eines Nierenkarzinoms entwickelte sich von allen Karzinomen am ungünstigsten, mit einem leichten Anstieg bei Männern (4,5 auf 4,8/100.000) und stabilen Raten bei Frauen (1,8/100.000) in den letzten zehn Jahren in der EU. (cw/um)

Autoren: Bertuccio P, Santucci C, Carioli G, Malvezzi M, La Vecchia C, Negri E. Korrespondenz: Paola Bertuccio, Department of Biomedical and Clinical Sciences L. Sacco, Università degli Studi di Milano, Via Vanzetti 5, 20122 Milan, Italy. E-Mail: paola.bertuccio@unimi.it Studie: Mortality Trends from Urologic Cancers in Europe over the Period 1980-2017 and a Projection to 2025. Quelle: Eur Urol Oncol. 2021 Oct;4(5):677-696.doi: 10.1016/j.euo.2021.05.005. Epub 2021 Jun 5. PMID: 34103280. Web: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2588931121001115

Kommentar

Die Mortalität bei Prostata-, Hoden- und Harnblasenkarzinomen, nicht aber bei Nierenkarzinomen, ist in den meisten europäischen Ländern zurückgegangen. Insgesamt haben osteuropäische Länder bei allen Karzinomen die höchsten Mortalitätsraten. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo vorübergehend die Mortalitätsraten und die Raten aggressiverer Prostatakarzinome seit der Einführung der Empfehlung gegen das allgemeine PSA-Screening angestiegen waren, ist dieser Trend erfreulicherweise in Europa nicht angekommen. (cw)

Autor: Dr. med. Christoph Würnschimmel, Oberarzt Luzerner Kantonsspital