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Hypothese: Gestörte Regulation des intrakraniellen Gefäß- und Liquor-Kreislaufs verursacht Nykturie

 

FUNCTIONAL UROLOGY Plymouth – Die erhöhte Sekretion des antidiuretischen Hormones (ADH) führt normalerweise zur einer verminderten Urinproduktion während des Schlafes. Damit wird ein nächtliches Überschreiten der Blasenkapazität mit nachfolgendem Harndrang verhindert. Nykturie ist mit einer erhöhten Mortatlität sowie einer verminderten Lebensqualität vergesellschaftet. Häufig Ursachen sind in systemischen Störungen zu finden, beispielsweise durch ein obstruktives Schlafapnoesyndrom, welches zu einer erhöhten Ausschüttung des artialen diuretischen Peptides (ANP) führt. Weiter Störungen des kardianen Rhythmus oder liegende Köperposition mit Volumenmobilisation. Allerdings lässt sich nicht immer eine Ursache finden, entsprechend besteht der Verdacht, dass weitere, bisher nicht bekannte Ursachen zu einer Nykturie führen können. in der Januar-Ausgabe des Fachjournals EUROPEAN UROLOGY FOCUS, stellt das Team die von Holly A Roy et. Al postulierte Hypothese vor, dass Störungen der intrakranialen cerebrospinalen Flüssigkeitszirkulation (CSF) zur Nykturie führen kann. Das Hirn ist umgeben von einer starren knöchernen Hülle, welche keine Volumenexpansion zulässt. Entsprechend muss zwischen den Variabeln CSF, interstitielle Flüssigkeit und vaskulärem Volumen stets ein Gleichgewicht herrschen. Ansonsten droht eine Beeinträchtigung des Gehirnes oder seiner Versorgung. Die Regulation des Gleichgewichtes muss mit einer Vielzahl von Umständen zurechtkommen. Die Regulation der Dynamik des intracranialen Zirkulationssystemes sichern Druck, Volumen und Fluss jedes Flüssigkeitskompartimentes und erhalte eine sichere Umgebung. Pathologien welche diese Regulation beeinflussen und die intrakranielle Flüssigkeitszirkulation stören stellen für das Gehirn eine Bedrohung dar. Entsprechend sind zum Ausgleich der Störung kompensatorische Mechanismen nötig. Die Autoren aus der neurochirurgischen Abteilung des Derriford Hospital an der University of Plymouth, in Plymouth, Vereinigtes Königreich, postulieren in ihrer Hypothese, dass kompensatorische hormonelle Antworten, vermittelt durch diuretische Hormone, aufgrund einer Störung der Zirkulation als Nebeneffekt zu einer nächtlichen Polyurie und zu einer Nykturie führen. (fa/um)

Autoren: Holly A Roy 1 , Matthew D Smith 2 , Hollie Blaber 3 , Christopher H Fry 4 , Erlick A Pereira 5 , Marcus J Drake 6; Korrespondenz: 1 Dpartment of Neurosurgery, Derriford Hospital, University of Plymouth, Plymouth, UK. 2 Aging and Movement Research Group, Population Health Sciences, University of Bristol, Bristol, UK. 3 John Radcliffe Hospital, Oxford, UK. 4 Department of Physiology, Pharmacology and Neuroscience, University of Bristol, Bristol, UK. 5 Department of Neurosurgery, St. George’s Hospital, University of London, London, UK. 6 Translational Health Sciences, University of Bristol, Bristol, UK; Bristol Urological Institute, Southmead Hospital, Bristol, UK. Electronic address: marcus.drake@bristol.ac.uk. Studie: Hypothesis: Disrupted Regulation of the Intracranial Vascular and Cerebrospinal Fluid Circulations Causes Nocturia; Quelle: Eur Urol Focus. 2022 Jan;8(1):60-65.doi: 10.1016/j.euf.2022.01.004. Epub 2022 Jan 17. Web: https://www.eu-focus.europeanurology.com/article/S2405-4569(22)00004-9/fulltext

Kommentar

Es gilt anzumerken, dass es sich hierbei erst um eine Hypothese handelt. Ob die idiopathische nächtliche Polyurie wirklich dadurch ausgelöst wird ist unklar. Weiterführender Forschung auf dem Gebiet könnte zu einem besseren Verständnis der Neurophysiologie und möglicherweise zur Entwicklung eines Medikamentes führen, obwohl mit ADH-Analoga schon ein Pharmakon zur Behandlung der nächtlichen Polyurie zur Verfügung steht. (fa)

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