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Fachverlag und Nachrichtenagentur

Entwicklung der Inzidenz des metastasierenden Prostatakarzinoms in den USA

 

PROSTATE CANCER Los Angeles – Die Einführung des PSA-Screening vor gut 30 Jahren hat zu einem Rückgang der Inzidenz der metastasierten Erkrankung geführt. Gleichwohl blieb das PSA-Screening kontrovers, hauptsächlich aufgrund Überdiagnostik und Übertherapie von low-risk Erkrankungen. Im Jahr 2012 sprach sich die US Preventive Services Task Force (USPSTF) gegen das routinemässige PSA-Screening aus (ab 2008 bei Männern über 75 Jahre, ab 2012 generell). Die Empfehlung der USPSTF resultierte in einer substanziellen Reduktion der durchgeführten PSA-Screeningtests und neudiagnostizierter Prostatakarzinome. Die nachfolgend vorgestellte Studie von Mihir M. Desai aus dem USC Institute of Urology and Catherine and Joseph Aresty Department of Urology an der Keck School of Medicine der University of Southern California in Los Angeles, Vereinigte Staaten, und weiterer Kollegen von der Keck School untersuchte die Auswirkung der im Jahr 2012 ausgesprochenen Empfehlung, basierend auf Daten aus der Surveillance Epidemiology and End Result (SEER) Datenbank. Hierzu wurden zwischen den Jahren 2004 und 2018 erhobene Daten ausgewertet. Im entsprechenden Zeitraum wurden 836.282 Patienten mit einem Prostatakarzinom in der Datenbank eingetragen. In der Altersgruppe der 45- bis 75-jährigen Männer zeigte sich in den Jahren 2004 bis 2010 kein signifikanter Unterschied in der Inzidenz des metastasierten Prostatakarzinoms (mPCa), allerdings eine Zunahme um 41% in den Jahren 2010 bis 2018. In der Altersgruppe über 75 Jahre konnte in den Jahren 2004 bis 2010 eine signifikante Reduktion der mPCa-Diagnosen, mit einer Zunahme von 43% im Anschluss, beobachtet werden. In den Jahren 2004 bis 2018 zeigte sich eine Veränderung des durchschnittlichen PSA-Wertes bei Diagnose eines Prostatakarzinoms von 6,3 ng/ml auf 7,0 ng/ml in der Altersgruppe 45 bis 74 Jahre. N1-Erkrankungen nahmen um 119% (> 75 Jahre) bzw. 81% (45-74 Jahre) zwischen 2004 und 2018 zu. Erstdiagnosen mit T3 oder T4 Stadien nahmen zwischen 2013 und 2018 um 38% (> 75 Jahre) bzw. 31% (45-74 Jahre) zu. Als Limitationen führen die Autoren in der März-Ausgabe 2022 des JAMA NETWORK OPEN unter anderem die Punkte auf, dass die SEER-Datenbank nur Daten von ungefähr 28% der US-amerikanischen Bevölkerung umfasst sowie, dass die Daten nur bis ins Jahr 2018 reichen, was unter anderem unter dem Aspekt der relativ langsamen Tumorbiologie des Prostatakarzinoms eine Rolle spielt. (fa)

Autoren: Desai MM, Cacciamani GE, Gill K, Zhang J, Liu L, Abreu A, Gill IS. Korrespondenz: Mihir M. Desai, MD, MPH, USC Institute of Urology and Catherine and Joseph Aresty Department of Urology, Keck School of Medicine, University of Southern California, 1441 Eastlake Ave, Los Angeles, CA 90033, USA. E-Mail: mihir.desai@med.usc.edu Studie: Trends in Incidence of Metastatic Prostate Cancer in the US. Quelle: JAMA Netw Open. 2022 Mar 1;5(3):e222246. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2022.2246. PMID: 35285916. Web: https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2790041

KOMMENTAR Die Studie zeigt eine zunehmende Inzidenz der Erstdiagnose des mPCa im zeitlichen Zusammenhang zu der Veränderung der USPFST-Empfehlungen. Umweltfaktoren oder Veränderungen der Tumorbiologie würden eine längere Latenzzeit erwarten lassen, so dass ein Zusammenhang zur Änderung der Empfehlungen naheliegend scheint, durch die Studie allerdings nicht bewiesen werden kann. In den aktuellen Guidelines (2018) empfiehlt die USPFST das Screening für Männer zwischen 55 und 79 Jahren individuell mit dem Patienten zu diskutieren.

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital