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Fachverlag und Nachrichtenagentur

Flimmer-Elektroretinogramm bei Neugeborenen

 

NEUROOPHTHA Zürich – Die Entwicklung und Validierung eines Flimmer-Elektroretinogramm(ERG)-Protokolls bei termingeborenen Neugeborenen war das Ziel von James V. M. Hanson aus der Augenklinik des Universitätsspitals Zürich und weiteren Schweizer und kanadischer Kollegen. Sie hoffen, damit ein potenzielles Instrument zur Beurteilung von Frühgeborenen zu entwickeln, bei denen das Risiko einer Frühgeborenen-Retinopathie besteht. Es wurde das elektrophysiologische Handgerät RETeval® verwendet und dafür ein kundenspezifisches Flimmer-ERG-Protokoll entwickelt. Die Machbarkeit der Messung des Flimmer-ERG durch geschlossene Augenlider und ohne Mydriasis wurde in einer Pilotstudie nachgewiesen, die eine Optimierung des Testprotokolls ermöglichte. Anschliessend wurden gesunde termingeborene Neugeborene (Gestationsalter 37 – 42 Wochen) an der Neonatologie des Universitätsspitals Zürich rekrutiert. Während der ersten vier Lebenstage wurden, wenn die Säuglinge schliefen, Flimmer-ERG-Aufzeichnungen mit proprietären Einweg-Hautelektroden durchgeführt. Flimmerreize wurden bei 28,3 Hz für eine Reizserie bei 3, 6, 12, 30 und 50 cd·s/m² dargeboten, mit zwei Messungen bei jedem Reizpegel. Die Ergebnisse wurden offline analysiert. Flimmer-ERG-Gipfelzeiten und -Amplituden wurden aus den gemittelten Messungen pro Stimuluspegel für jeden Probanden abgeleitet. 28 termingeborene Neugeborene wurden in die Analyse eingeschlossen. Alle Säuglinge haben das Testverfahren gut vertragen. Flimmer-ERG-Aufzeichnungen wurden für alle Probanden mit reproduzierbaren Flimmer-ERG-Wellenformen bei Stimuli mit 30 und 50 cd·s/m² erstellt. Reproduzierbare ERGs wurden bei der Mehrzahl der Säuglinge auch für die schwächeren Stimuli aufgezeichnet (mit nachweisbaren ERGs bei 20/28, 25/28 und 27/28 mit 3, 6 bzw. 12 cd·s/m²). Die Flimmer-ERG-Amplituden nahmen mit zunehmender Stimulusstärke zu, wobei die Gipfelzeiten gleichzeitig leicht abnahmen. Die Autoren kommen in der Dezember-Ausgabe 2022 des Fachjournals DOCUMENTA OPHTHALMOLOGICA zu dem Ergebnis, das eine Flimmer-ERG-Aufzeichnung bei schlafenden Neugeborenen durch geschlossene Augenlider mit Hautelektroden und ohne Mydriasis machbar ist und zuverlässig aufgezeichnet werden kann. Die Flimmer-ERG-Amplitude nimmt bei Flimmern mit geringerer Luminanz ab, bleibt aber bei den meisten gesunden, termingeborenen Neugeborenen bis 3 cd·s/m² Flimmern nachweisbar. Unter Verwendung des entwickelten Protokolls bilden diese Daten nach Ansicht der Autoren eine Grundlage für die Untersuchung der Netzhautfunktion von Frühgeborenen. (bs)

Autoren: Hanson JVM, Weber C, Pfäffli OA, Bassler D, McCulloch DL, Gerth-Kahlert C. Korrespondenz: Christina Gerth-Kahlert, Department of Ophthalmology, University Hospital Zurich and University of Zurich, Zurich, Switzerland. E-Mail: christina.gerth-kahlert@usz.ch Studie: Flicker electroretinogram in newborn infants. Quelle: Doc Ophthalmol. 2022 Dec;145(3):175-184. doi: 10.1007/s10633-022-09889-5. Epub 2022 Oct 6. PMID: 36199003; PMCID: PMC9653345. Web: https://link.springer.com/article/10.1007/s10633-022-09889-5