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Fachverlag und Nachrichtenagentur

Review zur Prähabilitation in der Uro-Onkologie

PROSTATE / BLADDER CANCER Luzern – In mehreren chirurgischen Fachrichtungen verbessert Bewegung als Teil eines präoperativen Trainingsprogramms die Genesung. Für uroonkologische Patienten zeigte die Evidenz bis 2020 jedoch keine signifikanten Vorteile in Bezug auf postoperative Komplikationen oder die Krankenhausverweildauer (LOS). In dieser Luzerner Studie von Silvan Sigg, Kristin Zeidler und Christian Daniel Fankhauser wurde die Literatur von 2020 bis 2023 überprüft und es wurden 205 Berichte gesichtet, von denen vier Volltexte einbezogen wurden. In einer randomisierten kontrollierten Studie wurden 20 Patienten vor einer radikalen Prostatektomie entweder einem Übungsprogramm mit aerobem und Widerstandstraining oder der konventionellen Standardversorgung zugewiesen. Das Hauptziel war die Überprüfung der Durchführbarkeit dieses strukturierten Programms. Sekundäre Endpunkte umfassten die körperliche Fitness, gemessen mit dem Godin Leisure Time Physical Activity-Fragebogen, sowie erkennbare funktionale Ergebnisse. Die Ergebnisse zeigten, dass die Intervention machbar war und es eine deutliche Verbesserung der körperlichen Aktivitätswerte von der Baseline bis 6 Monate nach der Operation für die Interventionsgruppe gab. Der Anstieg erreichte jedoch im Vergleich zur Kontrollgruppe keine statistische Signifikanz. In einer anderen randomisierten kontrollierten Studie wurden 41 Patienten, die sich einer robotergestützten oder offenen radikalen Prostatektomie unterzogen, entweder einem präoperativen oder einem postoperativen überwachten Programm mit Widerstands- und Ausdauerübungen zugeteilt. Der primäre Endpunkt war die dynamische Muskelkraft für eine Brustpresse und eine Beinpresse. Die Prähabilitationsgruppe zeigte vor der Operation und 6 Wochen nach der Operation signifikant bessere Ergebnisse im Vergleich zur Rehabilitationsgruppe, aber es gab keinen Unterschied 12 Wochen nach der Operation. Die LOS unterschied sich nicht signifikant zwischen den Prähabilitations- und Rehabilitationsgruppen. In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden Daten von 192 Patienten, die sich einer Zystektomie unterzogen, untersucht und wurden entweder einem Standardarm oder einem Ernährungs-, Bewegungs-, Patientenschulungs- und Wellness(NEEW)-Arm zugeteilt. Die Intervention umfasste wöchentliche Termine mit Physiotherapeuten, Ernährungsberatern und Stomatherapeuten. Der NEEW-Arm hatte eine kürzere LOS (5 Tage gegenüber 6 Tagen), eine niedrigere Inzidenz von hochgradigen Komplikationen nach 30 Tagen (5% gegenüber 16%) und eine längere funktionelle Mobilitätszeit (23 gegenüber 19 Minuten). In das im November 2023 elektronisch vorab beim Fachjournal EUROPEAN UROLOGY FOCUS veröffentlichte Review wurde als vierte eine prospektive Kohortenstudie einbezogen, welche 507 Patienten umfasste, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen. Die Studienarme umfassten eine Kontrollgruppe ohne «enhanced recovery after surgery» (ERAS)-Protokoll (n = 157), ERAS ohne Prähabilitation (n = 156) und ERAS mit Prähabilitation (n = 194). In der Prähabilitationsgruppe erhielten die Patienten zusätzliche Informationen zum Beckenbodentraining, zum aeroben Training und zur kardiorespiratorischen Fitness sowie Unterstützung durch einen Ernährungsberater. Der Vergleich zwischen den beiden ERAS-Gruppen zeigte sich, dass die LOS in der Prähabilitationsgruppe kürzer war (1,6 Tage gegenüber 3,5 Tagen). (cw)

Autoren: Sigg S, Zeidler K, Fankhauser CD. Korrespondenz: Christian Daniel Fankhauser, Department of Urology, Luzerner Kantonsspital, University of Lucerne, Lucerne, Switzerland. E-Mail: cdfankhauser@gmail.com Studie: Is It Worth the Sweat? Prehabilitation in Uro-oncology: A Mini Review. Quelle: Eur Urol Focus. 2023 Nov 6:S2405-4569(23)00240-7. doi: 10.1016/j.euf.2023.10.022. Epub ahead of print. PMID: 37940390. Web: https://www.eu-focus.europeanurology.com/article/S2405-4569(23)00240-7/fulltext

KOMMENTAR Die Vorteile der Prähabilitation wurden bei verschiedenen Krebserkrankungen nachgewiesen, sodass die aktuellen Leitlinien der American Society of Clinical Oncology diese für sinnvoll erachten. Allerdings zeigte die Evidenz bis 2020 für uroonkologische Patienten keine signifikanten Vorteile in Bezug auf postoperative Komplikationen oder LOS. Hier deuten zwei retrospektive Kohortenstudien darauf hin, dass präoperative Bewegung die LOS möglicherweise verkürzen könnte. Eine dieser Studien legte auch eine geringere Wahrscheinlichkeit von Komplikationen nahe. Die vorliegende Evidenz deutet auf potenzielle Vorteile hin, Bewegung in die präoperative Vorbereitung für uroonkologische Patienten zu integrieren, insbesondere im Hinblick auf kurzfristige funktionelle Ergebnisse. Allerdings ist die Evidenz für einen direkten Einfluss auf postoperative Komplikationen und LOS noch nicht schlüssig. Zukünftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, spezifische Übungen (z. B. anaerob vs. aerob, Krafttraining, Ausdauer oder Atemübungen) zu identifizieren, die die kosteneffektivsten Vorteile bieten.

Autor: Dr. med. Christoph Würnschimmel, Oberarzt Luzerner Kantonsspital