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Fachverlag und Nachrichtenagentur

PRIMETEST: Phase-II-Studie zur primären retroperitonealen Lymphadenektomie bei Hodentumoren CS IIA/B

TESTIS CANCER Düsseldorf – Chemotherapie oder Radiotherapie sind die aktuellen Standardtherapien beim Clinical Stage (CS) IIA- und IIB-Seminom. Beide Therapieformen sind mit relevanten Langzeitnebenwirkungen vergesellschaftet, wie beispielsweise dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen (RR 1,5 – 5,7) oder sekundären Malignomen (RR 2,3 – 5,1). Eine mögliche Therapieadaptation zur Reduktion der Nebenwirkungen könnte in der primären retroperitonealen Lymphadenektomie (RPLND) mit oder ohne adjuvante Therapie liegen. Die nachfolgend vorgestellte PRIMETEST-Studie von Andreas Hiester et al. aus der Urologische Universitätsklinik Düsseldorf, Deutschland, war als prospektive, einarmige, Phase-II-Studie konzipiert mit dem Ziel, die onkologische Wirksamkeit und chirurgische Sicherheit der primären RPLND prospektiv zu bewerten. Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten mit einem Seminom mit einseitiger retroperitonealer Lymphknotenmetastasierung, einem Maximaldurchmesser von 5 cm sowie einem humanen Choriongonadotropin(hCG)-Spiegel von < 5 mU/ml. Die Lymphknotenmetastasierung konnte dabei de novo bei Erstdiagnose vorliegen oder als Rezidiv im Rahmen der aktiven Überwachung oder nach adjuvanter Carboplatin-Behandlung bei CS-I-Situation auftreten. Es wurde eine einseitige offene oder roboterassistierte primäre RPLND durchgeführt. Der primäre Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben (PFS) nach 36 Monaten. Im Rekrutierungszeitraum zwischen 2016 und 2021 wurden insgesamt 33 Patienten in die Studie eingeschlossen, hiervon neun mit primärem CS IIA/B, 19 Rezidive während der aktiven Überwachung und fünf Rezidive nach adjuvanter Carboplatin-Behandlung. Bei 13 Patienten lag ein CS IIA, bei 20 Patienten ein CS IIB vor. Bei 14 Patienten wurde eine offene und bei 19 eine roboterassistierte RPLND durchgeführt. Während der medianen Nachbeobachtungszeit von 32 Monaten (IQR 23 – 46) konnten zehn Rezidive (30%) registriert werden. Wie in der Juli-Ausgabe 2023 des Fachjournals EUROPEAN UROLOGY berichtet wird, wurde der durch die Autoren festgelegte primäre Endpunkt, weniger als 30% Rezidivrate, knapp nicht erreicht. Rezidive innerhalb des Resektionstemplates traten bei drei Patienten auf. Auf die Durchführung einer Risikofaktorenanalyse für das Auftreten eines Rezidivs musste bei geringer Fallzahl verzichtet werden. 94% der Patienten berichteten über eine postoperativ erhaltene Ejakulationsfunktion. (fa)

Autoren: Hiester A, Che Y, Lusch A, Kuss O, Niegisch G, Lorch A, Arsov C, Albers P. Korrespondenz: Peter Albers, Department of Urology, Medical Faculty, Heinrich-Heine-University Düsseldorf, Moorenstr. 5, 40225 Duesseldorf, Germany. E-Mail: peter.albers@med.uni-duesseldorf.de Studie: Phase 2 Single-arm Trial of Primary Retroperitoneal Lymph Node Dissection in Patients with Seminomatous Testicular Germ Cell Tumors with Clinical Stage IIA/B (PRIMETEST). Quelle: Eur Urol. 2023 Jul;84(1):25-31. doi: 10.1016/j.eururo.2022.10.021. Epub 2022 Nov 10. PMID: 36372627. Web: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0302283822027750

KOMMENTAR Die PRIMETEST-Studie konnte den primären Endpunkt knapp nicht erreichen. Obwohl das progressionsfreie Überleben nach 32 Monaten mit 70% vielversprechend ist, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Patientenauswahlkriterien zu definieren und zu validieren. Es besteht Bedarf an präziseren Vorhersagefaktoren zur Identifikation derjenigen Patienten, welche von der primären RPLND profitieren könnten. Bis dahin bleibt die herkömmliche Behandlung mit Chemotherapie oder Strahlentherapie der Standard für Patienten mit CS IIA/B-Seminom und die primäre RPLND sollte nur im Rahmen von Studien erfolgen.

Autor: Dr. med. Fabian Aschwanden, Assistenzarzt Luzerner Kantonsspital